Unser Japangarten – Bauabschnitt VI – Mitsuishi no Tsukiyama – 三石の築山 – Hügel der drei Steine

Hier links an der Carport-Rückwand seht ihr den Bereich, der nun gestaltet wird.

Ich habe diesen Abschnitt Mitsuishi no Tsukiyama getauft. Ein Tsukiyama-Garten ist ein japanischer Hügel- und Landschaftsgarten. Sein Kern ist nicht einfach ein Hügel, sondern die Verdichtung einer ganzen Landschaft im Kleinen: Berge, Täler, Wasserläufe, Teichufer, Inseln, Wege, Steine und Gehölze werden so komponiert, dass ein kleiner Garten wie ein weiter Naturraum wirkt. Der Zusatz Mitsuishi bedeutet „Drei Steine“. Diese Dreiergruppe mit einem Hauptstein (Tate Ishi), einem Begleitstein (Soe Ishi) und einem liegenden Stein (Yoko Ishi) wird hier ihren Platz finden. Die Steine habe ich von einem Urlaub in der Pfalz über Kleinanzeigen ergattert. Ich habe sie mal auf dem Rasen ausgelegt um die Anordnung auszuprobieren. Dazu seht ihr eine KI-Vorschau wie das eingewachsen aussehen könnte.


Die Steine haben Rollen. Ich habe euch das mal mit einer KI-Illustration aufbereitet.

Der aufrecht stehende Tate Ishi ist Oberhaupt, das Zentrum. Ein guter Hauptstein dominiert nicht. Er hält den Raum. Wenn er zu laut wird, kippt die Gruppe in Machtausübung. Wenn er zu schwach steht, verliert die Gruppe Richtung. Der Soe-Ishi ist der Begleiter und unterstützt den Hauptstein. Aber ohne sie steht der Hauptstein allein. Der Begleitstein macht aus Stärke erst Beziehung.
Diese Rolle wird oft unterschätzt. Komplettiert wird das Trio mit dem liegenden Yoko-Ishi – Auf Menschen übertragen: jemand, der nicht glänzen muss, aber die ganze Gruppe stabilisiert. Alle drei funktionieren nur zusammen. Ich finde, das ist eine schöne Philosophie, die sich dahinter verbirgt.

Nun begann die Arbeit: Ich lagerte zunächst die Pflanzen, die ich hier geparkt hatte, an eine andere Stelle um – so langsam geht mir die Abstellfläche zu Neige.

Die Erdbienen, die sich in meinem Erdhaufen angesiedelt hatten, habe ich seit Tagen nicht mehr gesehen. Also kann ich den großen Erdhügel in diesem Bereich wieder bewegen.

Zunächst habe ich mal wieder Pflanzen aus dem alten Terrassenbeet entfernt. Dieses Mal waren viele kleine Traubenhyazinthen-Zwiebeln zu retten. Der Dost war hier auch überall dazwischen. Ich hoffe ich werde ihn jetzt los. Auch alter Rasen musste entfernt werden. Der Grünabfallhaufen wird immer höher. Vielleicht arbeite ich einige Rasensoden als Gründünger unter die Hügel ein. Auch wenn der Erdhaufen nach viel aussieht, wenn der auseinandergezogen wird, bleibt da nicht mehr so viel übrig.

Abschnittsweise arbeite ich mich mit dem Entfernen des alten Grünzeugs voran.

Einer Idee folgend habe ich dann ein älteres Experiment herausgeholt: Ein Shishi Odoshi

Ein Shishi-odoshi ist ein japanisches Wasserspiel aus Bambus: Wasser läuft langsam in ein beweglich gelagertes Bambusrohr. Sobald es voll genug ist, kippt es, leert sich, fällt zurück und schlägt mit einem trockenen „Klonk“ auf einen Stein.

Ursprünglich diente es dazu, Rehe, Wildschweine oder andere Tiere zu erschrecken und von Pflanzen fernzuhalten. Heute wird es im japanischen Garten vor allem wegen seiner Klangwirkung eingesetzt: Der einzelne, wiederkehrende Ton macht die Stille bewusster. Er passt sehr gut zum Prinzip Seijaku, also innerer Ruhe, und zu Wasser als lebendigem, fließendem Gestaltungselement.

Die Bambusteile, die ich schon früher einmal für einen Entwurf gebaut habe, wurden wieder aktiviert und ich habe das mit einem Wasserlaufbecken und einer Solarpumpe probeweise aufgebaut. Das kippende Rohr war noch nicht dicht. Für den Test habe ich einfach eine Tüte mit einem Gummi eingesetzt.

Das hat schon mal gut funktioniert. Man braucht in der Tat nur sehr wenig Wasser damit der Klack nicht dauernd kommt.

Den Zulauf zum Füllen wollte ich noch kompakter gestalten. In des Querrohr über den Stützen wollte ich nicht noch ein Loch bohren. Daher habe ich mich für einen seitlichen Zulauf entschieden.

Damit war ich sehr zufrieden. Die Plastik-Wasserlaufwanne hat es wieder mal nicht in den Garten geschafft. Ich werde hier ein im Boden eingelassenes Brunnenbecken (wie beim Tsukubai) verwenden. Allerdings ohne Becken mit einem Kiesbett in dem das Wasser verschwindet. Hier wird wieder eine Oase Aquarius 600 zum Einsatz kommen, die ich voll drosseln werde. Damit das Wasser, das am klappenden Rohrteil herabläuft, nicht aus dem Kreislaufsystem verschwindet, werde ich hinten etwas Teichfolie anbringen. Die soll das Wasser wieder in das Bodenreservoir zurückleiten. Wenn ich mal kein Klacken hören möchte kann ich den Einlauf etwas drehen, dann ist das ein einfaches Wasserspiel. Die Stromzufuhr möchte ich mit einem Shelly schalten können.

Nun habe ich den perfekten Platz für das Shishi Odoshi im Garten gesucht. Es sollte nicht sofort zu sehen sein – etwas, das man entdeckt. Ich habe die Gestaltung des Weges etwas angepasst. Zuvor war er nur leicht geschwungen. Nun werde ich schöne Kurven modellieren. Der Pfad wird dann wie in einem Tal durch die Tsukiyama (Hügel) hindurchführen. Dabei wird man den Shishi Odoshi entdecken.

Der Shishi Odoshi ist an der grün markierten Stelle geplant, die rote Linie ist der Verlauf des Weges. der orange Kreis ist der Platz an den der Hügel verschoben wird.

Die Bienen hatten leider nur eine Flugpause. Also habe ich diesen Teil des Hügels sehr vorsichtig bearbeitet und konnte die gewünschte Gestaltung vornehmen ohne die Bienen zu stören. die dürfen gerne bleiben.

Die Hügel wurden modelliert und dann nochmal flacher modelliert damit die Flanken nicht zu steil sind.

Das Brunnenbecken wurde geliefert und eingebuddelt – den überschüssigen Mutterboden habe ich wieder per Anhänger weggebracht. Dann wurde der Shishi Odoshi installiert. Als Abdeckung für das Brunnenbecken habe ich schwarzen Basaltsplitt verwendet. Bei Kleinanzeigen habe ich nochmal Findlinge besorgt. Die haben hier gleich als Umrandung ihren Platz gefunden.

Das sieht fast schon wie ein Tempel aus. Als Trittsteine für den Weg müssen erst einmal einige Betonsteine aus dem Bestand herhalten. Die Namensgebenden „Drei Steine“ haben nun ihren Platz ebenfalls gefunden.

Pinienrinde wurde gekauft um die Tsukiyama-Hügel abzudecken. Ich wollte nach einem Kurzurlaub keine Unkrauthölle vorfinden.

Am Abend habe ich dann noch die drei Zwerg-Rhododendren eingepflanzt. Auch etwas Sternmoos und Hernaria Glabra sowie geteiltes Bärenfell Gras und eine Segge fanden schon Platz auf dem ersten Hügel.

Dann ging es in den Kurzurlaub. 5 Tage keine Erde schippen :-).

Im Kurzurlaub habe ich gelegentlich nach Trittsteinen bei Kleinanzeigen gesucht. Ich habe ein Angebot entdeckt und nach der Rückkehr 23 unregelmäßig gebrochene runde Granit-Trittsteine zu ergattern. Die waren schon 20 Jahre alt und hatten Patina. Die Steine hatten eine glattpolierte Seite. Das war als Trittstein natürlich zu rutschig. Die Rückseite war zum Glück Rauh. Nach etwas abbürsten sahen die prima aus. Hier habe ich sie zur Probe ausgelegt.

Bereits vor dem Urlaub habe ich noch eine Kasuga Laterne aus Granit bestellt. Die wurde in unserer Abwesenheit schon geliefert und wurde ebenfalls gleich platziert.

Nun ging es an die Gestaltung der Ränder des Weges. In einer KI Simulation habe ich mir mal angeschaut, wie Korten Stahl als Einfassung der Wege aussehen würde.

Das hat mir sehr gut gefallen und Ich habe mich für die Rasenkanten aus Korten Stahl entschieden. Die Bänder funktionieren genauso wie die Rasenkanten aus verzinktem Stahl beim Tsukubai und bei dem Kiesbeet. Sie lassen sich einfach koppeln (Mit einer Spitzzange habe ich die Lasche an der Verbindung sehr gut umbiegen können) und werden mit einem untergelegten Holzstück und einem Hammer in den Boden getrieben um sie zu fixieren. Nach einigem Suchen habe diese Kortenstahl Rasenkanten entdeckt. Diese Variante hat sehr hilfreiche Erdspieße die das ausrichten sehr vereinfachen und auch noch für guten Halt sorgen.

Der Name Korten Stahl setzt sich aus Corrosion and Tensile zusammen. Der Stahl wird stahlgrau geliefert. Mit der Zeit bildet er eine schützende Rostschicht. Der Vorgang kann Monate dauern. Diesen Vorgang kann man abkürzen.

Dazu werden die Stahlbänder z.B. mit Seifenlauge zuerst gereinigt um das Fett zu entfernen und dann mit folgender Mischung besprüht:

  • 50ml Essig
  • 200ml Wasser
  • 1/2 bis 1/4 Teelöffel Salz

Die so behandelten Bänder rosten binnen kürzester Zeit. Man kann fast dabei zuschauen.

Hier habe ich die ersten Bänder eingebaut. Das hat sehr gut funktioniert. Man muss nur aufpassen, dass man beim Einschlagen der Spitzen keine Schläuche der Bewässerung erwischt.

Man kann damit schön geschwungene Formen modellieren.

Die Trittsteine werde ich jeweils in ein Feinsplitt Bett setzen. auf den Boden des Weges soll ein Unkrautvlies ausgelegt werden, aus dem schneide ich die Trittsteine dann aus. Damit das Vlies nicht verrutscht habe ich mir solche Erdanker bestellt. Diese sorgen dafür dass das Vlies später nicht verrutscht.
Als nächstes stellte sich die Frage: Welche Sorte Splitt nehme ich für den Weg? Man soll ja Splitt nehmen, da Kies rund ist und verrutscht, während Splitt sich verzahnt und da bleibt wo er ist.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Dunkler oder heller Splitt? Granit oder Basalt?
Hier die zur Auswahl stehenden Materialien. Den Basaltsplitt habe ich auch noch angefeuchtet ausgelegt. Da ist der viel dunkler.

Bei der Auswahl konnte die KI wieder mit einer Vorschau dienen.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Berücksichtigt werden muss einerseits der Kontrast zu den Trittsteinen aus Granit, der Laterne, der Pinienrinde und der Pflanzen.
Der Shishi Odoshi sollte seinen Basaltsplitt behalten und sollte vom Weg optisch getrennt werden (oder doch nicht?).
Schwarz verkleinert die Wege optisch, hell vergrößert sie. Im Sommer wird der Basalt heißer. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht.

Ein Kurzbesuch beim örtlichen Puttenpark offenbarte noch eine schöne Entdeckung. Ein Frosch aus Granit. Der erinnerte mich gleich an die Dōsojin Statue aus dem Ghibli-Film „Chihiros Reise ins Zauberland“.

Ein Platz war schnell gefunden. Eine Beleuchtung hat er auch gleich bekommen.

Was mir zuerst nicht aufgefallen ist: Es sind zwei Frösche! Auf den ersten Blick wirkt es wie ein einzelner Frosch, doch beim näheren Hinsehen erkennt man zwei übereinander sitzende Tiere in der natürlichen Paarungsstellung, dem sogenannten Amplexus. Ihren Platz hat die Skulptur am Eingang zur Koshikake Machiai, dem Wartebereich des Teeplatzes, gefunden. Dort fügt sie sich nicht nur harmonisch in die Teichlandschaft ein, sondern symbolisiert auch Leben, Harmonie und – ganz im japanischen Sinne des Wortes „Kaeru“ – die glückliche Heimkehr.

Die Beleuchtung für den Gartenteil habe ich installiert. Die Kasuga Laterne, der Acer Palmatum Shaina, die Laterne am neuen Teich und der Acer Palmatum Dissectum Viridis sind nun mit 24V Lampen bestückt.


Wie man sieht habe ich die Trittsteine schon in Feinsplitt gelegt. Darum herum kam dann noch Unkrautvlies.

Ich habe mich dann für verschiedene Zonen für Granitsplitt und Basaltsplitt entschieden. Auf dem Pfad zur Kasuga Laterne habe ich Granitsplitt ausgebracht. zusätzlich zur Stabilisierung Granitschwellen (Auch um Höhenunterschiede auszugleichen).

Im Hinteren Teil (Nebenweg) habe ich Basalt verwendet.

Am Teich habe ich einen Trittstein nahe am Wasser als Beobachtungsort platziert. Den Höhenunterschied habe ich mit einem Kortenstahlband stabilisiert. Auch hier kam Basalt zum Einsatz der sich bis in den Teichrand fortsetzt.

Und was soll ich sagen – Der Rohbau des Gartens ist fertig.

Nach eineinhalb Jahren ist nun das Grundgerüst vollendet. Nun wird noch etwas nachgepflanzt und der Garten darf altern und sich entwickeln. Ich werde die Entwicklung natürlich begleiten und lenken.

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