Im stillen Winter unseres japanischen Gartens war unser Jizō vollständig im Schnee versunken – wie ein kleiner, geduldiger Wächter unter einer weißen Decke.
Ich habe ihn behutsam freigelegt und dabei an eine schöne japanische Geste gedacht: In vielen Gegenden ist es üblich, Jizō-Figuren im Winter vom Schnee zu befreien – aus Respekt und Fürsorge. Jizō (im Buddhismus der Bodhisattva Kṣitigarbha) gilt als Beschützer von Kindern, Reisenden und Seelen im Übergang. Das Freilegen ist weniger ein Ritual als ein stiller, menschlicher Akt der Achtsamkeit – und genau so hat es sich auch in unserem Garten angefühlt.
Gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Frost habe ich die Gartenpumpe und die Teichpumpe stillgelegt und frostfest eingelagert. Der erste Schnee bedeckt die Laternen. zuerst noch spärlich später dann richtig dick.
Schade war nur, dass die Laternen solarbetrieben sind – und ausgerechnet die Yukimi-dōrō, die Schneebetrachtungslaterne, wegen der fehlenden Sonne gar nicht oder nur kurz geleuchtet hat.
Abhilfe hat hier ein Garten-Beleuchtungsset von Amazon gebracht. In der ersten schneefreien Periode konnte ich es schnell und provisorisch installieren. Wenn sich das bewährt, folgt im Frühjahr die saubere, versteckte Installation.
Das Set bestand aus vier Leuchten und einem Trafo. Zusätzlich habe ich noch zwei Verlängerungen geordert. Die Verbindungskabel werden über Verschraubungen ganz einfach miteinander verbinden. Die Leuchten sind warmweiße LEDs, die man entweder mit Erdspieß einsetzen oder – dank der verschraubbaren Kabel – auch direkt in die Laternen einfädeln kann.
Ich habe damit zwei Laternen sowie die Fächerahorne Firecracker und Orange Dream illuminiert.
Das Ergebnis wirkt sehr stimmig.
Kurz darauf kam wieder eine größere Menge Schnee – und diesmal konnte die Yukimi ganz wunschgemäß leuchten.
Die beiden alten, wasserdichten Beleuchtungen der Laternen mit Solarpanel kann ich nun an anderer Stelle im Garten einsetzen (vielleicht am Tsukubai). Das funktioniert ja ganz ohne Stromanschluss.
Ein Garten lebt von stetiger Veränderung. Schritt für Schritt entsteht hier ein Ort, der nicht nur Pflanzen und Steine vereint, sondern auch Raum für Geschichten und Symbole lässt. In der japanischen Mythologie stehen Kodama (木霊) für die Geister alter Bäume – Beschützer der Natur und Sinnbilder für Harmonie und Lebenskraft.
Richtig ans Herz gewachsen sind mir die kleinen Wesen allerdings durch den Studio-Ghibli-Film もののけ姫 (Mononoke Hime) – Prinzessin Mononoke. Dort huschen sie schelmisch durch den Wald, klappern mit den Köpfen und zaubern mir bis heute jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Vielleicht war es genau diese Erinnerung, die nun auch meinen Garten inspiriert hat – denn plötzlich tauchten die ersten Kodama hier auf, als wären sie schon immer da gewesen.
Die Geschichte der Kodama erinnert aber auch daran, wie verletzlich die Natur ist. In alten japanischen Überlieferungen galt das Erscheinen dieser Baumgeister als gutes Omen: ein Zeichen dafür, dass der Wald gesund ist und die Bäume in Harmonie leben. Verschwanden die Kodama, so deutete man das als Warnung – der Lebensraum war aus dem Gleichgewicht geraten.
So stehen die kleinen Geister bis heute sinnbildlich für eine intakte Natur. Ihr stilles Dasein macht bewusst, dass jeder Garten, jeder Baum und jedes Stück Grün Fürsorge und Respekt verdient. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das sie so besonders macht: die Ahnung, dass wir die Natur nicht beherrschen, sondern mit ihr im Einklang leben sollten.