Kabellos an die Fotos: Toshiba SDHC Flashair Speicherkarte im Test

Beim Aufnehmen des Sternenhimmels mit meiner Sony Alpha 57 hatte ich schon des öfteren den Wunsch verspürt die Bilder direkt vor Ort auf dem iPad betrachten zu können. So wäre mir die eine oder andere Enttäuschung erspart geblieben. Auf dem Display der Kamera sah das Bild gut aus, aber zu Hause entdeckt man, dass es doch nicht richtig fokussiert war.

Da gibt es ja Möglichkeiten, allerdings hatte ich keine Lust im Dunkeln auf einer feuchten Wiese die SD-Karte aus der Kamera zu fummeln und nebenbei den mühsam ausgerichteten Bildausschnitt zu verlieren. Mit dem USB-Kabel geht das auch nicht besser.

Da meine Kamera kein eingebautes WLAN besitzt, bot sich die Möglichkeit an, eine Speicherkarte mit WLAN-Funktionalität zu verwenden. So könnte man Kabels auf die Daten auf der SD-Karte zugreifen. Auf dem Markt sind hier Modelle von z. B. Eye-Fi, Transcend und Toshiba (Flashair) erhältlich.

Glücklicherweise wurde gerade von Valuetech ein Lesertest ausgelobt. Hier wurde eine Toshiba FlashAir 16GB WiFi-SDHC-Speicherkarte (Class 10) zu Testen bereitgestellt die dann nach dem Test behalten werden darf. Ich habe eine solche Karte auf diesem Wege erhalten. Vielen Dank dafür.

Die Gelegenheit das Teil einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer Ergebnisse zu Datentransfer-Raten und Schreib-/Lesegeschwindigkeiten haben möchte schaut besser in einem anderen Testbericht. Ich habe mehr den Workflow und die praktischen Einsatzmöglichkeiten im Alltag betrachtet.

Dieser Bericht ist wie folgt aufgebaut:

  • Was ist eine Flashair Karte
  • Einrichten der Karte
  • Verwendung mit IOS, Android und Laptop
  • Einsatz in der Praxis
  • Andere Einsatzmöglichkeiten
  • Fazit

 

Was ist eine Flashair Karte?

Was unterscheidet eine Flashair-SD-Karte von einer „normalen“ SD-Karte?

Die Toshiba Flashair-Karte besitzt zusätzlich noch eine eingebaute WLAN Funktion. Das heißt: Mit einem WLAN-fähigen Gerät kann man eine Verbindung zu der Flashair-Karte aufbauen – ähnlich wie mit dem heimischen WLAN-Router – und auf die Daten auf der Karte zugreifen ohne sie aus dem Gerät (z.B. Kamera) zu nehmen.

Nach dem Verbinden mit dem WLAN der Flashair-Karte kann man z.B. einfach der Webbrowser mit der URL http://flashair aufgerufen werden. Es wird dann der Inhalt der Flashair-Karte angezeigt.

Für mobilen Geräte stehen Android- und IOS-Apps zur Verfügung, die den Zugriff (vor allem das herunterladen der Inhalte, komfortabler gestalten.

Den Workflow hierzu beschreibe ich etwas weiter unten um Beitrag.

Das unpraktische ist: Die Geräte (Laptop,Tablet, Smartphone) konnten eine WLAN Verbindung nur zu einem Netzwerk aufbauen. Man ist also entweder mit dem z.B. heimischen WLAN oder der Flashair-Karte verbunden. Das würde ein ständiges Wechseln des WLAN-Netzwerkes bedeuten und nervt auf die Dauer.

Zum Glück kam von Toshiba noch ein Firmware-Update. Dieses schaltet eine sinnvolle und praktische Zusatzfunktion frei: Internet Pass-Through.

Jetzt ist es möglich gleichzeitig auf die Flashair-Karte und das heimische WLAN gleichzeitig zuzugreifen. Hier wird nur eine WLAN-Verbindung zur Flashair-Karte benötig. Der Zugang zum heimischen WLAN wird dann von der Flashair-Karte quasi durchgereicht (Internet Pass-Through). Sehr praktisch.

Die Bilder können nun heruntergeladen und z.B. gleich in den Blog hochgeladen werden ohne das WLAN-Netz wechseln zu müssen. Mit der Kombination iPad (WLAN Modell) ->Sony Alpha 57 mit Flashair Karte -> WLAN-Hotspot (Samsung Galaxy SIII) hat das funktioniert. Mit meinem heimischen WLAN-Router habe ich das Ganze leider nicht doch noch hinbekommen. Mit identischen Einstellungen hat es jetzt funktioniert. Die Karte muss wohl immer aus dem Kartenleser entnommen und wieder eingesteckt werden damit die neuen Zugangsdaten übernommen werden.

Einrichten der Karte

Die Karte kann nach dem Auspacken gleich verwendet werden. Einfach in die Kamera gesteckt und los gehts. Die SSID – der Name des Netzwerks – und das Passwort sind ab Werk schon mit Standardwerten vorbelegt (sollten aus Sicherheitsgründen allerdings geändert werden). Das beiliegende Manual ist allerdings in mikroskopisch kleiner Schrift gedruckt und kaum lesbar. Ich habe mir die PDF-Version der Anleitung hier heruntergeladen.

Um alle Möglichkeiten der Karte ausnutzen zu können empfehle ich das Konfigurationstool des man sich hier herunterladen kann.

Mit diesem Tool kann man die SSID der Karte nebst Passwort und die Daten des WLAN Zuganges für die Internet Pass-Through Funktion einzustellen. Außerdem kann man dort die Art der WLAN-Aktivierung (automatisch oder manuell) einstellen und die Karte formatieren.

Die manuelle Aktivierung/Deaktivierung der WLAN-Funktion erfolg durch das Schreibschützen/ entschützen eines besonderen Bildes auf der Kamera.

Die automatische Aktivierung erfolgt bei jedem Einschalten der Kamera. Wenn nach einem wählbaren Zeitraum keine Verbindung aufgebaut wird, deaktiviert sich das WLAN wieder (und spart Strom).

 

Verwendung mit IOS, Android und Laptop

Ist die Karte eingerichtet und in der Kamera installiert kann es losgehen.

Ich habe mit einem iPad 3 (mit IOS 7), einem Samsung Galaxy SIII, einem Nexus10 und einen Windows 7 Laptop getestet.

Die Flashair Karte habe ich jeweils über die WLAN Einstellungen der Geräte verbunden. Da war beim Ersten Verbinden ein unlogischer Schritt dabei, aber in der Hilfe in der Toshiba FlashAir App war das kein Problem. Da ist das gut beschrieben. Danach funktioniert die Kopplung reibungslos.

Auf dem Laptop können die Bilder der Flashair Karte im Browser über die URL „http://flashair“ angezeigt werden. Hier gibt es dann eine Thumbnail-Ansicht (wahlweise als Kacheln oder als Liste).

Die Thumbnail-Ansicht aktualisiert sich automatisch, wenn ein neues Foto mit der Kamera aufgenommen wird.

Durch Anklicken der Thumbnails gelangt man in die Grossansicht. Dort ist auch eine Ansicht in 100% Bildgröße möglich. Eine Art Diashow ist auch vorgesehen. Die Anzeigen funktionieren bei meiner Sony Alpha 57 allerdings nur bei JPEG Bildern. Die RAW-Dateien im *.arw Format werden lediglich als Icons werden angezeigt.

Herunterladen kann man die Bilder jedoch nur einzeln. Abhilfe schafft hier ein Browser-Plugin wie z.B. DownThemAll. damit lassen sich die RAW-Dateien zwar alle auf einmal herunterladen aber bei den JPEG Dateien klappt das nicht, weil die Vollansichten über eine Scripfunktion geladen werden und nicht als Link vorliegen.

Auf dem Android-Smartphone ist der Zugriff via Browser möglich. Die Darstellung ist wie auf dem Laptop. Es gibt auch eine kostenlose App von Toshiba mit dem Namen „Flashair“. Pluspunkt: Diese App kann die WLAN-Verbindung zu einer Flashair-Karte selbständig herstellen. Mit der App kann man in der Thumbnail-Ansicht die Bilder (auch die RAW-Dateien) einzeln oder komplett markieren und in einen auswählbaren Ordner in den Telefonspeicher kopieren. Dieser Ordner kann in den Settings voreingestellt werden. Die RAW-Dateien habe ich hier noch nicht ansehen können. Auch Snapseed konnte sie hier nicht anzeigen. Die vergrößerte Anzeige ist auch möglich. Die Navigation von Bild zu Bild hat sich mir allerdings nicht erschlossen und ist fehleranfällig. Auch synchronisiert sich der Thumbnail-View nicht automatisch.

Auf dem IPAD ist auch der Zugriff via Browser möglich. Auch hier aktualisiert sich der Browser in der Thumbnail-Ansicht wenn neue Fotos aufgenommen werden.

Die RAW-Dateien können hier sogar via Snapseed einzeln heruntergeladen, angesehen und bearbeitet werden. Die Toshiba-App „FlashAir“ gibt es auch für das IPad. Hier ist sie aber meiner Meinung am besten umgesetzt. Noch nicht ganz perfekt aber für meine Anwendungen schon brauchbar. Download und bearbeiten ist mit der App auch für MP4 Videos und RAW-Dateien möglich. Die MP4 Videos konnte ich mit iMovie öffnen. Die Olympus App „Olympus Image Share“ läuft auch sehr gut, es werden allerdings nur die JPG Dateien angezeigt.

Der Listview bei der Toshiba App FlashAir:
Der Thumbnail View bei der Toshiba App FlashAir:
Hier die Thumbnail Ansicht bei der Olymus Image Share App:
Bei beiden Apps kann man auch die Großansicht der Bilder betrachten und dort auch zwischen den Bildern per swipe Navigieren und mit pinch zoomen.

 

Einsatz in der Praxis

Der Download von JPEG Dateien dauert schon einige Sekunden. Bei RAW-Dateien natürlich noch etwas långer. 400 Bilder möchte ich so nicht herunterladen. Da ist ein Kartenleser die bessere Wahl. Aber die Möglichkeit einzelne Fotos im Detail auf einem größeren Display zu begutachten ist schon eine tolle Sache. Auch wenn beim Bloggen nur einzelne Bilder benötigt werden ist der Drahtlose Zugriff schon sehr praktisch. Insgesamt hat mir die iPad Anbindung mit der Toshiba-App am besten gefallen. Da kann der iPad Fotoadapter doch sicher öfter in der Tasche bleiben. Für den Transfer zum Laptop werde ich den Kartenleser verwenden. Da ist der Import in Lightroom einfacher.

Die WLAN Funktion der Flashair benötigt natürlich Strom. Welche der Einstellungen zur Aktivierung der WLAN-Funktion (manuell oder automatisch) praktischer und stromsparender (und weniger hakelig) ist muss sich noch im Alltag zeigen.

Nachtrag: Mit der automatischen Konfiguration habe ich (bei gelegentlichem herunterladen von Bildern) einen kompletten Schwimmwettkampf mit 550 Aufnahmen (mit Einsatz des kontinuierlichem Autofokus) mit einem Akku durchgestanden. Restladung war noch 15%. Bei ähnlichen Eisatzbedingungen sind das ca. 10% mehr Akkuverbrauch. Aber das hängt sicher von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht verallgemeinern.

Vorsicht ist beim Formatieren der Karte geboten. Es befinden sich einige vom Flashair-System benötigte Dateien auf der Speicherkarte. Unter anderem auch die Zugangsdaten und das Steuer-Bild. Diese Daten werden beim Formatieren gelöscht. Bei mir wurde danach immer wieder alles auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt. Allerdings fehlt dann das Bild um im manuellen Modus die WLAN-Funktion ein- bzw. auszuschalten. Also lieber mit dem Konfigurationstool von Toshiba formatieren. Das ist für mich momentan noch ein Wermutstropfen.

Andere Einsatzmöglichkeiten

Eine SD-Karte mit WLAN ist ja fast ein Mini-Webserver. Spaßeshalber habe ich einmal eine Webseite auf die Karte gespeichert. Da die Seite kein PHP sondern nur HTML und Javascript enthielt lief sie nun direkt von der Karte. Da kann man unterwegs gleich sein Portfolio von der Kamera aus präsentieren.

Fazit

Ich stehe ja auf solche Gadgets. Wenn die Kamera noch kein eingebautes WLAN besitzt (so wie bei mir) und man unterwegs schnell mal in die Bilder auf dem iPad hineinschauen möchte, ist so eine Flashair Karte eine sinnvolle Anschaffung. Die Android-Version der FlashAir App hat mir nicht so gut gefallen. Wenn ich gleich die 500+ Bilder vom heutigen Schwimmwettkampf auf den Laptop spiele werde ich den Kartenleser und nicht die WLAN-Anbindung verwenden. Der Kartenleser-Workflow ist einfach schneller. Ansonsten ist es eine Class 10 SD-Karte und ich konnte damit auch FullHD Videos mit 50 Bildern pro Sekunde im AVCHD Format problemlos aufnehmen.

Einige Zusatzfunktionen wünsche ich mir noch: Eine 100%-Ansicht die sich selbsttätig aktualisiert und das zuletzt aufgenommene Bild anzeigt und ein automatischer Download des zuletzt aufgenommenen Bildes in einen frei wählbaren Ordner auf dem Laptop. Da es ja eine SDK zur Flashair Karte gibt sollte das hoffentlich nur eine Anfrage der Zeit sein.

Nachtrag: Die sich selbst aktualisierende vergrößerte Anzeige des zuletzt aufgenommenen Bildes gibt es doch schon.

Dazu geht man in der Toshiba „Flashair“ App in die Thumbnail Ansicht und wählt ein Bild zur Ansicht aus.

Nun fotografiert man ein neues Motiv und es wird nun automatisch angezeigt. Das funktioniert natürlich nur wenn ein JPG aufgenommen wird.

5 Antworten auf „Kabellos an die Fotos: Toshiba SDHC Flashair Speicherkarte im Test“

  1. Danke für den schönen Bericht. Ich habe heute 4 Stück 16GB Flashair erhalten und habe nun einen guten Überblick. Die beigelegte Anleitung ist für mich (70) tatsächlich an der Grenze des lesbaren.
    Die Karten funktionieren einwandfrei in Canon EOS 5DMkII und mit einem CompactFlash-Adapter auch in den Olympus E-1 und E-3

    Gruss Fritz

    1. Hallo Fritz,

      danke für das Feedback :-).
      Die Karte habe ich immer noch im Einsatz. Bislang hatte ich keine Probleme damit :-).

      Liebe Grüße

      Joachim

  2. wirklich sehr sehr hilfreich. danke schön…!

    hab eine solche karte und fand den workflow zu umständlich. das konfigurationstool muss ich mir ansehen. und das „internet pass through“ ebenso…!

    gruss
    vom
    thom

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